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Philippinen III Begegnung mit der Dritten Art

April 12, 2013

25.Februar 2013 Friendly Guesthouse.

Am vorigen Abend gab es das angekündigte Austern essen. Ich habe vielleicht vierzig der schlüpfrigen Dinger inhaliert, bis die Scham gesiegt hat, -doch nicht so gierig zuzugreifen. Dann habe ich mich dem kostenlosen Whisky zugewandt, doch scheine ich wohl eine Art Respekt vor diesem Getränk aufgebaut zu haben in der vorletzten Nacht.

kurz gegrillt am Besten

kurz gegrillt am Besten

Wasserflaschen zum aussaugen. Coole Idee

Wasserflaschen zum aussaugen. Coole Idee

Heute möchte ich auschecken, ich fühle mich einfach zu wohl hier. Ich sehe die anderen Gäste kommen und gehen, habe mir in der letzten Zeit nicht mal die Mühe gemacht, klar zu werden, wo ich hin will und auch keine Reiseempfehlungen der anderen mit verfolgt. Schleppe den Lonely Planet wie eine Bibel ständig mit mir herum. Aber, so wie es in der Natur einer Bibel ist, so hat sie nur ein Bruchteil derer gelesen, der sie besitzt.

Saß heute wieder im Bus. Will mich ein wenig verfahren und später wieder zurückfinden.

Ein Mann setzt sich neben mich, er arbeitet in der Gesundheitsbehörde, reist in Gegenden in den Philippinen, wo weniger als 30 % der Menschen an ein Wasserversorgungsnetz angeschlossen sind, um dort die Brunnen nach Keimen zu untersuchen, erzählt er. Er konnte mir ein wenig über das hiesige Wassernetz erzählen.

Autoreifenrecycling

Autoreifenrecycling

Sind an der Endhaltestelle raus. Er muss jetzt kurz ins Labor am Krankenhaus, da wolle er dann auch was essen. Ob ich schon gegessen hätte, fragt er. Die Kantine sei recht gut. Da er mich nicht zu sich nach Hause oder in eine schmuddelige dunkle Gasse eingeladen hat, sagte ich zu. Bin mit ihm ins Krankenhaus in die Kantine und habe philippinisches Kantinenessen aufhäufen lassen. Knoblauchreis mit verschiedenem Curry und Huhn. Es war wirklich gut! Das Kantinenflair meiner früheren Arbeitsstätte konnte ich ein wenig schnuppern, auch das anschließende Sodbrennen und Völlegefühl war wie früher.

Neben uns nahmen zwei Frauen in orangenen, einteiligen Kleidern Platz. In Begleitung zweier freundlicher Männer in Wärter Uniform. Die Kleider beider Frauen hatten den gleichen Schnitt. Waren aus grobem Polyester und sahen mehrfach geflickt aus. Die eine Frau hatte die Haut in einer Farbe wie die der Menschen des Stammes unterhalb des Nils. Sie war sportlich schlank wie eine Gazelle, Ihre krausen Haare waren blondiert und kurz. Sie hatte ein schönes jugendliches Gesicht, selbst das hässliche Kleid stand ihr. Ich komme aus Kenia! antwortete sie, als ich das Gespräch mit ihr suchend fragte. Aber sie lebe seit einem Jahr in Manila. Müsse noch 29 Jahre hier bleiben. Das sei die Dauer von lebenslanger Haft auf den Philippinen. Ich solle aufpassen, wenn ich über die Landesgrenze 2 kg Drogen bei mir haben sollte, scherzte sie mit Ihren traurigen Augen. Sie seien zur ärztlichen Untersuchung hier.

Bodybuilder Hahn

Bodybuilder Hahn

Das Leben ist so spannend, wenn man es geschafft hat aus gewohnten Bahnen zu treten und plötzlich jeden Tag was anderes macht.

In einem Jahr wirst du in Begleitung Fremder in der Krankenhauskantine zu Mittag essen. Dabei mit einer kenianischen Lebenslänglich inhaftierten plaudern. In Manila…- Ich hätte nicht einmal gewusst wo Manila liegt…

Ich habe eine Einladung von jemandem fürs Couchsurfing. Ich überlege mir, ob ich die Einladung annehmen soll. Er wohnt in einem großen Haus mit Pool und Hauspersonal mitten in Manila.

Nein, ich will weg aus Manila. Aber wohin. Ausgecheckt habe ich um 7 Uhr bereits, als ich in die Stadt gewandert bin. Zwischenzeitlich ist 17 Uhr. Im Hostel angekommen frage ich Benji den Manager, was er zu meinem Problem meint, heute noch abzuhauen. „Buch doch einen Flug in den Süden. Wenn Du Glück hast, geht heut Nacht noch einer…“seine Antwort!

Die Gegend wo ich mich so rum treibe

Die Gegend wo ich mich so rum treibe

Ich entscheide mich für den Bus. Denn es geht kein Flug mehr unter 60 € heute. Ich wundere mich erneut über die vielen Möglichkeiten die man hier hat.

Bus ist auch ausgebucht. Ich könne aber Standby warten, ob ein Platz frei wird, erfahre ich.

Ich soll nicht gehen, sagt Benji. Heute Abend ist Balut Night. „Eggs with legs“ –Es gibt Entenembryo satt. Ich könnte heute Nacht sogar umsonst bleiben. Sehr verlockendes Angebot. Ein sehr großzügiges Hostel ist das. Ich lehne ab.

Mein Bus ist heute von CagsawaTravel. Es ist ein Fahrgast abgesprungen, ich bekomme den letzten Platz. Ein LuxusbusLuxusbus 920 PHP/ 17,23€ Ist ein Haufen Geld hier. Dafür reise ich heute mal erster Klasse. Riesige Ledersitze und viel Platz. Klimaanlage auf 16 Grad.

Im Nachhinein erfahre ich, dass von Pasay auch günstigere Busse gefahren wären. Welche ohne der stressigen Klimaanlage und Frischluftfenster. Anyway! Tom Cruise jagt auf einem großen Flachbildschirm einen Serienkiller. Während wir entweder schleppend über den Highway in Richtung Legazpinach Bicol schleichen, oder komplett verkeilt im Stadtverkehr stehen. 12 Stunden Bus habe ich vor mir, bevor ich mit dem Jeepney nach Donsolweiter muss. Ein Vulkan und ein Ozean voller Walhaieund Manta Rochen gibt es dort in der Gegend zu entdecken.

26. Februar 2013 Peninsula Bicol

Ankunft 6:00 Uhr früh, ausgeruht und durchgefroren in Legaspi.

Nehme ich den Bus nach Donsol, wie ursprünglich geplant, oder fahre ich nach Bulan. Bulan hatte ich nie zuvor in meinem Leben gehört. In meiner Lonely Bibel steht auch nichts darüber. Ich setze mich in den Bus und fahre weitere 4 Stunden an den Zipfel von dieser Peninsula. Vielleicht auch nur, weil ich Bus fahren mag und mich freue, endlich wieder einen Bus mit Blick nach draußen zu haben. Fahrt nach Bulan kostet 158 PHP/2,96€.

Fliegender Fisch, Lustige Algen und blaue Schnecken

blaue Schnecken

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Fliegender Fisch

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lustige Algen knacke beim kauen

Unterwegs fahren wir an einigen kleinen Fischerdörfern vorbei. Ich bemerke mehrere große Hügel Muschelschalen am Straßenrand und erkenne sie sofort wieder. Die Steckmuschel. Die meisten Arten kommen im Mittelmeerraum vor, es gibt sie jedoch auch hier. In einer etwas kleineren Form. Aus Izmir hatten wir mal ein Exemplar das war einen Meter lang. Hier erschreckte mich jedoch die riesige Masse der hier ausgelutscht am Straßenrand liegenden Schalen. Die dünnen Schalen zerbrochen. Im Mittelalter wäre diese Muschel im Mittelmeerraum beinahe ausgerottet worden, da sie aus den Fäden die diese Muschel spinnt um sich am Grund festzuhalten Handschuhe für Könige gewebt haben. Muschelseide. Robust und Kupfergold Glänzend. Allerdings gibt so eine Muschel nicht allzu viel davon her. Hier in Bulan holt man sie wohl aus dem Meer um das Fleisch zu essen. Die Steckmuschel steht unter dem Artenschutzgesetz bedrohter Tiere, so ein Haufen war sicher ein Grab für viele Tausende; -trauere ich.

In Bulan gibt es laut Landkarte einen Hafen der auf die Nachbarinseln Masbate und Samar führt. Wo ein Hafen ist, da müssen auch Unterkünfte vorhanden sein. Vielleicht kann ich auch von dort die Walhaie sehen, denke ich.

Der Grund, warum im Lonely Planet dieser Ort nicht beschrieben ist, ist schnell klar. Es gibt hier schlichtweg nichts zu sehen. Ich bin der einzige Fremde und so wie sie mich hier grüßen und ansprechen, scheinen sie selten einen Weißen hier zu haben.

Rochen in Jackfruit. Kinunot

Rochen in Jackfruit. Kinunot

Guesthouse

Guesthouse in Bulan 2€ Tag

Gut, ganz so verlassen ist das hier nicht. Einen Fischmarkt, ein paar sehr schlichte und leckere Fressbuden, ein Supermarkt, Bäckereien, sogar die Fastfood Kette Jollibee hat es bis hierher geschafft. Ich wohne im Gotis Family Lodge Guesthouse für 100 PHP die Nacht. 1,86 € für ein Einzelzimmer. Es liegt unweit vom Pier den ich morgen entweder für die kleine Ticao Insel oder die größere Masbate Insel aufsuchen werde.

Gegessen habe ich Kinunot (15 PHP). Das Mädchen das übersetzte, sagte es sei Muschelfleisch. Muscheln haben keine knorpeligen Greten. Soweit ich das schmecken konnte, war es ein Rochen. Gulay Tuk hieß das weitere Fischgericht das ich genommen habe (10PHP) (0,19€). Klein gemachter Fisch gekocht mit unreifer Jackfruit in einer Kokossaftsoße. Dazu dann noch Reis (10 PHP) ein Hochgenuss! Bin für 74 Cent satt geworden.

Jackfruit schmeckt im reifen Zustand Zuckersüß, fast penetrant Aspartam süß. Finde ich. Unreif wird es als Gemüse verkocht. Die Fasern und Kerne sind dann auch essbar. Jackfruit ist ein sehr dankbares Gemüse. Ich würde auf eine einsame Insel eine Axt, eine Angel und eine Jackfruit mitnehmen, wenn ich mir drei Dinge aussuchen könnte.

wilde Piraten

wilde Piraten

Hier in der Gegend habe ich keine Moma Spuren sehen können. Auch in Manila blieben die rostigen Spuckfahnen aus, fällt mir auf. Scheint wohl ein lokales Phänomen des Nord Luzon Gebietes zu sein.

Mit dem Sonnenuntergang ging auch das Leben auf der Straße zu Ende. Da dann nur noch lichtscheues Gesinde umher treibt, habe ich mich in meine Kammer verkrochen und auf den neuen Tag geharrt.

Morgen früh fahre ich auf eine Insel. Welche, weiß ich noch nicht.

27. Februar 2013 Bulan- Masbate

Mein Lager auf Deck

Mein Lager auf Deck

7:40 Bäcker müsste man sein, hier. Dann kann man den ganzen Morgen verschlafen. Die machen immer erst abends auf die Bäckereien. Abends gibt’s dann die frischen Brotgenerica. Eine optische Kopie unseres Brotes.

Am Hafen zahle ich meine Hafengebühr von 15 PHP (0,28€) und enzschließe mich auf die Insel Masbate zu fahren. Die Ticao Insel ist klein, ich befürchte, dass die traumhaft weißen Strände in der Hand von Ressorts sind, welche ich mir nicht leisten will. Bereue später aber, dass ich nicht trotzdem hin gefahren bin…

Mein Frühstück Haferflocken, Milchgenerika, Nutellabrot,Mango

Mein Frühstück Haferflocken, Milchgenerika, Nutellabrot,Mango

Ich esse täglich diese köstlichen länglichen gelben Mangos. Es ist gerade Saison. Nektar und  Ambrosia -so lecker. Drei Stück sind meist ein halbes Kilo, das kostet 40 Cent. Da ich vier Stunden auf dem Boot zu verbringen habe, gibt’s ein Picknick. Nutella Brot, Mango, Bananen, Haferflocken und Kakaopulver-Wassermischgetränk.

Sein Frühstück

Sein Frühstück

Das Boot ist ein Katamaran. Ich habe mir das Dach gesichert. Kein beliebter Platz für den Philippino. -Zu viel Sonne. Mein Bettbezug eignet sich gut als Sonnensegel, hatte ein vorzügliches Picknick in meinem provisorischen, luftigen Zelt. Neugierig kam der Schiffsjunge zu mir unter meinen Sonnenschutz und wir aßen gemeinsam. Er aß mit beiden Händen seinen verklumpten Reis in dem eine Mischung aus zerdrückten Taschenkrebsen und Gemüse lag, beäugte dabei verstohlen mein Essen, denn Haferflocken mit Ladyfinger Bananen und Mango, dazu Nutellabrötchen schienen dem Jungen zum Frühstück abartig. Ich wollte,  auch nicht unbedingt tauschen. Missmutig übersah ich die kleinen Essensreste die ihm beiläufig in mein Bettlaken fielen. Das Frühstück das später als Mittagessen erneut aufgetischt wurde, war im Fahrpreis von 200 PHP (3,75€) inklusive. Mittags habe ich davon gegessen, – war lecker. Es machte mir Freude die ausgezutzelten Krebsbeine ins Meer zurück zu spucken.

Ich lese gerade spannende Lektüre. Die Nibelungensage. Es ist Mittag, ich gehe von Bord. Wäre ich bloß nach Donsol gefahren denke ich, hier ist es trostlos. Vielleicht bin ich auch einfach nur gerade wieder Reisemüde.

Auf dem Markt

Auf dem Markt

Das Hotel ist scheiße. Zwar mit 300 PHP (5,60€) nicht teuer, aber auch nicht gut. Wenigstens habe ich Wifi. Ich verplempere meine Zeit im Restaurant des Hotels mit einer Liter Flasche Cola vor dem langsamen Internet. Heute ist kein Tag zum planen, das merke ich nach 4 Stunden unsinnigem Facebook geplänkel. Fahr ich morgen weiter nach Cebu mit der Fähre, oder doch wieder zurück? Ich finde kein günstiges Flugticket von Cebu, daher entscheide ich mich nach Donsol überzusetzen. Ich liebe Bootsfahrten. Auch wenn es bedeutet, dass ich unsinnig hin und her gefahren bin, freue ich mich darauf. So viele Tage bleiben mir nicht mehr, bevor ich nach Manila zurück muss um nach Hongkong zu fliegen.

Trostlos finde ich die ganze Stadt Masbate. Esse ein gegrilltes Hähnchen, das so lecker sich im Schaufenster gedreht hat wie bei Wienerwald, so kross und dunkel gebräunt. Ich kaufe den ganzen Vogel (180 PHP/3,37€) Das gebräunte entpuppt sich als Karamellisiert. Ich esse ohne Freude und lösche den Zuckerbrand mit einem Liter Coca Cola.

Mein Zimmergast ist eine Kakerlake so groß wie ein Hirschkäfer. Wohlgenährt und in bester Gesundheit. Ich will sie nicht töten, warne sie zwei Mal sich nicht mehr blicken zu lassen, solange ich dort wohne.

28. Februar 2013 Masbate City

junge Männer beladen ein Ufo

junge Männer beladen ein Ufo

Heute ist der Todestag der Kakerlakenkönigin von Masbate. Sie sitzt auf Augenhöhe auf der nackten Wand und spottet meiner vorangegangenen Warnungen. Mein Flipflop trifft sie hart im Genick. Die Wasserbestattung schließe ich nicht ab, soll das Reinigungspersonal selbst das Untier den Lokus runter spülen. Den hässlichen Fleck an der Wand lasse ich ebenfalls sichtbar.

Die Fähre RORO Vessel fährt 05:30 , 12:00 und 16:15. Geht vier Stunden und kostet 280 PHP/ 5,24€ ich muss den Fastcraft um 9 Uhr nehmen, da ich 7 Uhr erst antanze. mein Fahrvergnügen verkürzt sich auf 2 Stunden statt 4 Stunden, kostet mich stattdessen 396 PHP/7,42€. Dabei habe ich Zeit mir eine Kokosnuss zum Frühstück öffnen zu lassen und mit den Matrosen zu tratschen.

Die übrigen Fährpreise hier: Masbate nach Cebu kostet 800 PHP/ 15€, Masbate nach Cubao 850 PHP/ 16€.

Auf den Straßen findet man kunstvoll in Palm oder Bananenblatt verpackte Bündel. Meist verbirgt sich hierin eine klebrige Reis Süßigkeit oder etwas anderes. Dieses verputze ich mit einer Schale Mangowürfeln während der Fahrt. Ich schäle und schneide eine halbe Stunde lang auf meinem Platz sitzend, während meine Sitznachbarn auf dem Boot mir gespannt zusehen. Später werde ich erfahren, dass sie nicht mich, sondern die Klinge meines 30 cm Messer bestaunten. Messer sind auf öffentlichen Fähren nicht erlaubt.

Die Karte

Die Karte

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Krummes Panorama aus meinem Hochsitz

Die Ticao Inseln passieren wir nun von der anderen Seite.

Diese Seite ist schroff, die See nagt am steilen Kliff, aber auch dort gibt es vereinzelte traumhafte Buchten und Palmen gesäumte, menschenleere Strände. Ab und an eine Bambushütte mit Blick aufs Meer und den einen oder anderen Fels mit wilden Zacken und Klüften.

IMG_3426Das Boot kommt viel zu schnell am Hafen in Pilar an, ich hätte noch Stunden an dieser Kulisse vorbei fahren können. In Pilar auf dem Fischmarkt gibt es blaue geschälte Schnecken, lustig geformte Algen und fliegende Fische in den Auslagen. Auf dem Dach des Jeepneys freunde ich mich mit dem Eisverkäufer an, beweise Gottvertrauen als ich das gefrorene Milchpulverprodukt aus seiner Hinterhofküche auch esse. Ich hoffe, dass meine vier Mägen sich nun so langsam an die fremden Bakterien gewöhnt haben.

DonsolHeute erfahre ich beiläufig, wie sie den Reis trocknen. Unterwegs sehen wir lange breite Bahnen von auf die Straße geschüttetem Reis, so viel, dass sie die die Straßen verengen. Ohne Unterlage liegt der ungeschälte Reis auf der bloßen Straße. Bei manchem Überholmanöver fährt man dann mal eine Spur hinein.

IMG_3451Donsol. Auf Anhieb gefällt mir dieses Örtchen. Freundliche Polizisten halten mein Jeepney an, fragen mich, warum ich auf dem Dach mitfahren muss, ob im Wagen kein Platz sei wollen schon mit dem Fahrer schelten. Ich antworte, dass ich diesen Platz selbst gewählt habe, der Sicht wegen, die Polizisten freuen sich. Überhaupt, scheint hier jeder fröhlich.

Wie jede in sich abgeschlossene gesunde Dorfgemeinschaft hat auch dieses Dorf einen Dorfdepp. Ein Irrer junger Mann, der mit einem kleinen Besen die Straßen fegt und ab und an einen Zigarettenstummel verspeist, ihn vorher an seiner vernarbten Stirn ausdrückt und später zum Glück angewidert ausspuckt. Dann schlägt er meist einen Purzelbaum, formt einen imaginären Feuerball mit seinen Händen um ihn einem imaginären Feind zu schleudern. Er sei ein Firedragon erklärt er später im Gespräch.

Ich erkundige mich nach den Guesthouse Preisen. Alexandras Transient House geht mit dem Preis runter auf 300 PHP/ 5,62€ für die Nacht. Auch Santiago gibt mir diesen Preis. Doch gewinnt mich Bing die Besitzerin des Alexandra mit Ihrer coolen Art. Ich entscheide mich für die kleine Bambuskammer.

die Mädels vom Guesthouse

die Mädels vom Guesthouse Alexandra´s Transient GH

Ihre Schwester wohnt mit Bing zusammen. Beide sind sie ledig, Bing hat eine Tochter, Ihre Schwester macht mir den Eindruck, als sei sie mehr fürs feminine zu begeistern. Ich erwähne, dass sie mich an eine gute Freundin erinnert die sie sicher gern mögen würde, weil auch sie -sie sehr gerne mögen würde; und entfache ungeahnt ein kleines Feuer in Ihren Augen.

mein Zimmerchen im Alexandras Transient GH

mein Zimmerchen im Alexandras Transient GH

Bei der Suche nach meinem Mittagessen fällt mir ein schöner blonder Mann in einem kleinen Warung auf der charmant an einer Makrelenkrete nagt. Der Finne ist, so wie ich, gerade angekommen und hat in ein Guesthaus eingecheckt. Will, so wie ich, gleich los um sich für den Walhai –watch anzumelden. Wir laufen gemeinsam die 3 km zum Tourist Information Center. Einschreibegebühr sind 300 PHP. 6 Personen Maximal haben Platz. Wenn das Boot voll ist, dann kostet es je 535 PHP für die Fahrt zusätzlich zur Einschreibegebühr. Also in Summe 16€.  Tauchermaske und Flossen kann man vor Ort für 300 PHP mieten. Ich habe sie im Guesthouse für 200 PHP/3,75€ bereits reserviert.

Im Dorf gibt es nicht viel zu tun, außer den Walhaien kann man auch noch Glühwürmchen „watchen“ gehen, mit einem Boot am MangrovenBrack entlang soll es nur so leuchten, sagt man. Darauf habe ich allerdings keine Lust.

Die scheue Julie

Die scheue Julie

Am Abend entdecken wir ein nettes kleines Warung, „Julies Eatery“. Lecker philippinische Kost, die Rochenspeise mit dem Tapioka Gemüse, dann die Jackfruit mit Fisch, es gibt Schweinehaut und Hühnchen in verschiedenen Soßen. Dazu Reis.

Haben uns so gut mit Julie verstanden, dass sie gleich ihre Nachspeise mit uns geteilt hat.

Eigelb Zucker und Milch aufgeschlagen und im Backofen gebacken. Lecker.

1. März 2012 Donsol ein besonders schöner Tag

Heute wird ein schöner Tag. Nach meinem leckeren Haferflocken- Frühsück klopfte Juri mein finnischer Walhaifängerfreund schon an der Tür. Die Dreiradfahrt zum Auslegehafen kostete 10 PHP/ 0,19€ pro Person.

mein echter war zehnmal so groß

mein echter war zehnmal so groß

Ein ziemliches Durcheinander am Informationszentrum sorgte für eine Stunde Unruhe, bis wir sechs Personen zusammen hatten und unser Boot ablegen konnte. 4 Deutsche Volunteers die in einem Waisenhaus arbeiten und einen freien Tag hier verbringen.

Sind mit einem Katamaran raus gefahren, nachdem wir einen Informationsfilm sehen mussten. Wir erhielten Instruktionen wie: ruhig ins Wasser gleiten lassen, nicht überstürzt und nicht zu nah an das Tier heran schwimmen und so weiter. Auf jedem Boot dürfen nur 6 Personen mit, ein Walhai- ein Boot sei die Politik, um die Tiere nicht zu stören.

Sobald unser Führer ins Wasser ist und „jetzt“ gerufen hat, bin ich hinein und habe sofort den Weg nach unten gesucht. Ich ging nämlich davon aus, dass das Tier unter Wasser schwimmt. In zwei Meter tiefe war ich ganz nah an meinem ersten Walhai in freier Natur.  Ein großer, Grau, Weiß, Silber gesprenkelter, breiter Fisch bahnte sich seinen Weg unter mir. Sanft bewegte es sich im Strom und schwebte in die Tiefe. Ich verfolgte ihn eine Weile. Zwei Meter Entfernung ließ ich ihm und verfluchte mich, dass ich keine Unterwasserkamera besitze.

ich bin einfach links rein

ich bin einfach links rein, während die anderen Rechts herum dümpelten

Groß war er. Und! Neben dem Führer war ich der einzige der ihn gesehen hat.

Die restlichen Mitreisenden hatten Ihre Chance leider verpasst. Schuld war der Instrukteur, der vergessen hatte zu erwähnen, dass der Fisch nicht vor einem wartet bis man die Maske ordentlich gebunden oder den Bikini zu Recht gezupft hat. Vor allem ist niemandem eingefallen herunter zu tauchen.

Trotzdem habe ich mich schlecht gefühlt, weil ich als einziger das Vergnügen hatte. Beim nächsten Versuch stelle ich mich hinten an, habe ich mir gesagt, um niemandem die Chance zu stehlen.

Der zweite Versuch kam einige Fahrtzeit und einige Kilometer weiter. Die ein Hai, ein Boot Politik war schon nicht mehr so eng gesehen, zwei Dutzend Schnorchler treiben auf einem Fleck und schauen alle in eine Richtung, nämlich links. Unser Führer hüpft ins Wasser, allerdings in die entgegen gesetzte Richtung- rechts vom Boot und meine gesamte Crew hinterher. Dabei schauen aber 12 Schwimmbrillen links.

Ich habe die Gruppe nicht abgewartet und bin auf der anderen Seite, links hinein gesprungen, wo ich niemanden gestört habe, aber einen herrlichen Blick auf einen riesigen, diesmal noch gewaltigeren Hai bekam. Dieser war groß wie ein Schiff und schwamm unter mir vorbei. Ich eilte hinterher, beim kurzen auftauchen um Luft zu holen verschenkte ich wertvolle Sekunden um den auf der Wasseroberfläche treibenden in die Röhre guckern zu winken. Ich guck doch nicht auf den Boden, wenn ich Sternschnuppen sehen will, dachte ich mir, während ich schnell nach unten eilte und gerade noch miterleben durfte, wie die gewaltige Schwanzflosse gemächlich rudernd unter mir im Dunkel des Meeres verschwand.

Die Enttäuschten Gesichter, als wir wieder auf Deck waren.- Aber ich befand mich im Freudenrausch. Konnte nicht fassen, welchem Naturschauspiel ich gerade Teil haben durfte und lachte über die

aber dann krieg ich doch keine Luft mehr!

aber dann krieg ich doch keine Luft mehr!

dummen Gesichter mit ihren Masken auf, die auf dem Wasser treibend sich gegenseitig anglotzten und darauf warteten, dass jemand auf einem Silbertablett einen Walhai serviert.

…ja, aber, dann kann ich doch nicht mehr atmen, wenn ich mit dem Schnorchel unter Wasser gehe. …ja, aber, läuft Dir da nicht Wasser in den Mund? –aaaaahhhrhghg!

Beim dritten Anlauf war von der „ein Hai ein Boot“ Regel überhaupt nichts mehr übrig. 6-8  Boote mit laufenden Motoren, Ebenso viele Dutzend  Schnorchelschnaubender, wild mit Flossen schlagender Touristen. Alle auf einem Fleck und starren mal in die Luft, mal knapp unter die Wasseroberfläche nicht weiter als dem anderen aufs Gesäß. Hier hatten trotzdem fast alle Touristen einen Blick auf mindestens einen Riesenfisch. Außer natürlich meine gesamte Mannschaft. Diesmal kamen wir einfach zu spät.

Dieses Spektakel nennt sich Öko Tourismus, jedoch wäre mir persönlich der Trubel zu groß da oben. Dieser Motorenlärm, diese vielen Flossen… Auch wenn ich hier das leckerste Plankton aus dem Meer fischen könnte, würde mir doch das Ambiente tierisch auf den Sack gehen, -mir als Walhai gesprochen.

unterwegs zum Walhai gucken

unterwegs zum Walhai gucken

Im Lonely Planet steht, „es ist nicht die Frage, ob man einen sieht, es ist die Frage, wie viele man sieht…“ Die Saison sei von März bis Juli. Bei Regen oder schlechtem Wetter bleiben sie unten, nur bei gutem Wetter kommen sie hoch an die Oberfläche. Da es in der letzten Woche öfter geregnet haben soll, blieben sie die letzte Zeit aus. Viele Touristen haben daher mehrmals hintereinander diese Tour gebucht, um den Hai zu sehen. Ab dem nächsten Turn kostet die Tour nur noch 535 PHP/ 10€. Ich hatte Glück. So konnte ich heute abreisen.

Whaleshark watching Zertifikat

Whaleshark watching Zertifikat

Die Euphorie hält weiter an. Auch wenn das ein absoluter Quatsch ist, habe ich mir auch ein Whaleshark watcher Zertifikat geben lassen, das klebe ich mir ins Poesie Album.

Erst als wir vom Tricycle aussteigen und ich die 10 PHP Fahrt begleichen möchte, merke ich, dass ich meine Tupper Schüssel in der ich mein Iphone und meinen Geldbeutel Wasser geschützt aufbewahrt hatte, offen, für jeden zugänglich auf der Mauer habe liegen lassen. Euphorie wechselt zu Schrecken. Den ersten vorbei flitzenden Habalhabal Moped Fahrer habe ich angehalten und ihm gesagt, er soll mich sofort die 3 km fahren, sonst ist mein Handy und mein Geldbeutel weg. Er hatte schon jemand hinten aufsitzen, so saßen wir zu dritt auf dem „fickendenSchweine“ was das Habalhabal ja bedeutet.

Unterwegs dachte ich mir, dass es ziemlich beschissen wäre, wenn Kreditkarte und Iphone weg wären, aber irgendwie hatte ich Vertrauen in das was kommen würde. Ob ich mir ein neues Telefon in Hongkong holen muss, oder nicht, versaute mir nicht den Moment.

Natürlich war alles noch an Ort und Stelle. Der Mopedfahrer freute sich mit mir und bestand darauf mein angebotenes Fahrgeld nicht anzunehmen.

30 Leute standen in unmittelbarer Nähe. Keiner hat es eingesteckt. Obwohl es für viele ein viertel Jahresgehalt bedeutet hätte. Die Menschheit ist Gut. Getadelt haben mich einige kopfschüttelnd um meine Nachlässigkeit und Gottvertrauen.

Draußen habe ich gleich noch ein Moped angehalten und bin zurück gefahren.  Der Tricycle Fahrer war ein Shrimps Fischer und zeigte mir stolz seinen Fang, ein Kilo schwerer Brocken von Taschenkrebs. Auch er wollte für die Fahrt keine Bezahlung.

Volcano

Majon Volcano

Zur Feier des Tages sind Juri und ich dann zu Julie. Ich sagte, ich werde Werbung für sie machen, wollte sie fotografieren. Sie meinte: bloß nicht, sie könne doch gar nicht kochen. Bis ich sie vor die Kamera bekam musste ich das ganze Restaurant aufmischen. Als ich mich von ihr verabschiedete, befahl sie einem Kunden mich mit dem Moped zum Busbahnhof zu fahren. Als der Gast nicht sofort verstehen wollte, wedelte sie nur kurz mit dem Kochlöffel und half ihm so über die Sprünge. Sich mit der einen Hand vor dem drohenden Löffel schützend, stemmte er sich mit der anderen Hand vom Tisch, in drei Minuten war ich am Busbahnhof. Als ich ihn für seine Mühe bezahlen wollte, meinte er: „bloß nicht, wenn Julie davon erfährt sei der Teufel los“ und ist davon.

Der Bus fuhr kurz darauf los.75 PHP/ 1,40€. Ich habe beschlossen nach Legazpi zu fahren, im Umkreis gibt’s sicher was zu sehen.

Ich wohne im schäbigen aber billigen „Dreams Inn“. Das Zimmer ist klein, das Bett etwas durchgelegen aber das stört mich nicht.

Gleich nach dem einchecken raus, Jeepney geschnappt und nach Cagsawa gefahren. 14 PHP/ 0,26€.

Majon Vulcano

Majon Vulcano nd Cagsawa Ruine

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den Majon sieht man von überall

Dort steht eine Kirchenruine.

Die 1724 auf den Grundmauern der 1636 erbauten Kirche entstandene Cagsawa Kirche ist beim Vulkanausbruch 1814 erneut zerstört worden. Mit ihr wurden 1200 Menschen bei lebendigem Leib von heißer Lava Asche  geschluckt. Heute stehen dort Würstchenbuden. Eine für meine Gedanken makabere Sache der versengten Menschen mit Würstchen zu gedenken. Der verbliebene Turm erinnert an alte irische Kirchenruinen.

Im Hintergrund ragt ein perfekter Vulkankegel, -der MayonVulkan- empor, aus dem Schlot steigt Rauch. Dieser Vulkan gehört zu den gefährlichsten der Welt. Seit 1900 ist Majon schon 15-mal in die Luft gegangen. Das letzte Mal floss 2006 heiße Lava den Berg herab.

Das Besteigen ist nur bis zu einer Höhe von 1800 bis 2000 m möglich, da man sonst vom giftigen Schwefeldampf alle viere von sich streckt.

Eine Bergbesteigung wollte ich gerne vornehmen, doch habe ich leider keine Mitreisenden gefunden die dieses mit mir durchziehen wollten. Einen Guide für mich alleine wollte ich mir nicht leisten. -Schade.

Stattdessen bin ich ins Kino gegangen. 200 PHP/3,75€. Eine 3D Brille auf dem Kopf, beendete ich den perfekten Tag mit zwei Dosen Bier und ein Paar Chicken Wings, währen Jack die Riesen von der Bohnenstange schubste. Er und die Prinzessin lebten Glücklich und zufrieden bis an Ihr Lebensende.  Bis die Wahrheit zur Legende wurde… schön…

From → Südostasien

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